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Hier lesen Sie den zweiten Teil:

Kurze Beschreibung der Gemeinde Wackersdorf aus dem Jahre 1845 (leicht gekürzte Fassung)

Es liegt vom Eingange unterm Giebel zwei Stufen tief in der Erde. Der Innenraum weist drei Altäre auf. Der Choraltar ist schön gebaut und hat sechs Tragsäulen: Auf dem Altarblatt befindet sich das Bildnis des hl. Erzmartyrers Stephanus. Rechts am Tabernakel die Figur St. Isidor, links St. Wendelin, beide in Holz geschnitzt. Auf dem Bogendurchgang steht rechts die Figur des hl. Apostels Paulus, links Petrus, ebenfalls aus Holz. Darüber sitzen zwei größere Engel mit den Symbolen Glaube, Hoffnung und Liebe. Ganz oben findet sich der Erlöser, auch in Holz gehauen. Das Altarblatt des rechten Seitenaltars zeigt den hl. Florian, des linken Seitenaltars Sebastian und Fabian. Beide Altäre, ebenso die vierzehn Kreuzwegstationen und auch die Kanzel mit den vier Evangelisten sind unbedeutend. Im Schiff der Kirche findet sich an der rechten Seitenwand ein Ölgemälde „Die Abnahme Jesu vom Kreuz“. Auf dem Musikchor steht ein schlechtes Positivchen (Orgerl), mehr zur Zerstreuung im Gebete als zur Aufmunterung in der Andacht. Die Kirche ist ausgestattet mit einer Monstranz von geringem Wert, mit einem Ciborium und einem Kelch. Pluvial, Meßgewänder und andere Wäsche sind unbedeutend.

Der viereckige farblose Kirchtum ist mit Holzschindeln gedeckt. Er enthält drei Glocken. Die größte wiegt acht Zentner, die mittlere 3 ¼ Zentner und die kleine 115 Pfund. Dieses gute und harmonische Geläut wurde 1782 von Thomas Bändl in Amberg gegossen und von Guttätern, den Bauern Augustin Windisch und Johann Michel Westiner, beide aus dem Dörfchen Oder, gestiftet. Im Jahr 1796 ließ Pfarrer Wolfgang Wolf als Guttäter auf dem Kirchtum eine Viertel- und Stundenuhr aufrichten.

Im Jahre 1813 wurde bei dem Schul- und Meßnerhause eine bedeutende Reparatur und Erweiterung vorgenommen. Dabei wurde der an das Schulhaus angebaute Stadel entfernt. Auf Drängen des damaligen Pfarrers Georg Schmuderer wurde aus den Schulgemeindeteilen Bauholz hergenommen und für den Schullehrer ein eigener abgesonderter Stadel erbaut. Die übrigen Materialien und die Löhne der Werkleute wurden durch Gemeindeumlage bestritten. Der Stadel ist in der Schätzung mit 150 fl aufgenommen. Der hier bestehende Schulfonds hat Steuern und Brandassekuranz für diesen zu entrichten. Dieser Stadel ist dem Schullehrer nicht übergeben worden, er steht unbenutzt da, ist versperrt, zum Teil schadhaft; man scheut die Reparaturkosten und fügt dem Lehrer Schaden zu.

Zu den Ortsteilen:

Brückelsdorf

Brückelsdorf

Das Dorf liegt eine halbe Viertelstunde auf einer Anhöhe von Wackersdorf gegen Norden und hat den Namen von dem ehemaligen Einödhof Brücklhof, den man nur über eine Brücke erreichen konnte. Im Ort befinden sich gegenwärtig 11 Hausfamilien. Obwohl die Siedlung auf einer Anhöhe liegt, ist reichlich gutes Quellwasser vorhanden.

Grafenricht

Grafenried

Von Wackersdorf eine leichte halbe Stunde entfernt, auf einem Berg gelegen, zählt der Ort 16 Hausfamilien. Merkwürdig ist, daß es an gutem Quellwasser zu keiner Zeit gebricht.

Heselbach

Heselbach

Eine leichte halbe Stunde gegen Ostsüd von Wackersdorf gelegen und durchaus ebenen Wegs. Der Ort zählt 11 Hausfamilien. Nahe am Ort fließt ein kleines Bächlein, und man schließt, da vom Ursprung des Ortes nichts auszumachen ist, daß der Ortsname von dem durchziehenden Bächlein herrühren mag.

Oder

Aufgeteilt in Ober-, Mittel- und Unter-Oder, eine starke halbe Stunde gegen Süden von Wackersdorf ebenen Landes gelegen, zählt 12 Hausfamilien mit einer Bierschenke. Da sich schon in früheren Zeiten wie noch gegenwärtig viele Nattern (in der Landessprache: Odern) sehen lassen, so schließt man, daß der Ortsname daher rühre.

Oberweyerhaus

Eine Viertelstunde gegen Süden von Oder entlegen, ist ein Einödbauernhof, gelegen nahe an dem sogenannten Erlweyher, welch beide vor 50 Jahren churfürstliches Eigentum waren, nun aber an gegenwärtigen Besitzer als Eigentümer verkauft sind.

Kronstetten

Das Dörfchen Kronstetten liegt auf einer anmutigen Anhöhe gegen Westen von Wackersdorf und zählt 11 Hausfamilien. Über die Entstehung und den Namen des Ortes finden sich keine Urkunden vor. Man schließt, weil man von dieser Anhöhe aus alle dahin gehörigen Ortschaften übersehen kann, so mag diese Stätte den Namen Kron erhalten haben. Hier finden sich unter den 11 Familien zwei Leinenweber, ein Schmied, ein Bierwirt.

Die Filialkirche Kronstetten bestand laut Extrakt schon im Jahre 1561. Von der Erbauung derselben liegen keine Urkunden vor. Die seit 1668 vorliegenden Kirchenrechnungen weisen nach, daß diese Kirche zu Ehren des hl. Johannes des Täufers und des Evangelisten Johann eingeweiht worden ist. Bei der Vergrößerung der Kirche wurde jener Altar in die Sakristei versetzt, und seit dem Jahre 1692 wird auf dem neuen größeren Choraltar Maria-Hilf von Altötting als Kirchenpatronin verehrt. Diese schön gebaute Kirche steht auf einem etwas erhöhten Platze. Von der Südseite führt der Eingang in die Kirche durch ein gewölbtes Vorgebäude, in welchem ein großer Grabstein mit einer abgeschliffenen, also unlesbaren Inschrift liegt. Im Innern der Kirche finden sich vier Altäre. Im Altarblatt des Choraltares ist Maria-Hilf in der Kleidung von Altötting dargestellt. Über dem Durchgang stehen holzgeschnitzte Figuren, rechts Johann der Täufer, links Johann der Evangelist. Die beiden Seitenaltäre sind unbedeutend. Das Altarblatt des rechten Seitenaltars weist die vierzehn Nothelfer auf, des linken Seitenaltars Christus am Stocke. Linksseits ist eine Kapelle angebaut. Das Altarblatt zeigt die sieben Zufluchten Gottes: die hl. Dreifaltigkeit, Christus am Kreuz, das allerheiligste Altarssakrament, die heiligen Engel Gottes, die seligste Jungfrau Maria, die Heiligen Gottes und die Armen Seelen im Fegfeuer. Von der Sakristei aus führen Stufen zu Kanzel, welche, schön aus Holz gehauen, mit den vier Evangelisten bestellt ist. Die vierzehn Kreuzwegstationen sind unbedeutend. Auf dem Musikchor findet sich ein sehr kleines Positiv (Orgel). Die Kirche besitzt eine unbedeutende Monstranz, die höchstens dreimal im Jahr verwendet wird, ein Ciborium und einen Kelch. Meßgewänder und dergleichen sind unbedeutend.

Im Glockenturm findet sich auch eine Viertel- und Stundenuhr, welche im Jahre 1836 aus den überschüssigen Kirchenmitteln herbeigeschafft worden ist.

Bei der Kirche findet sich bis gegenwärtig noch ein Meßnerhaus, unnötig, das die Kirche ganz allein zu erhalten hat. Vor etwa 40 Jahren wurde darin noch Schule gehalten. Dem Meßner wurde zu seinem Nahrungszweige die Leinenweberei und Krämerei verliehen. Bei der Kirche ist auch ein eigener Begräbnisplatz.

Nattermoos

Dort befand sich ein Bauernhof, gegenwärtig besteht er aus zwei Höfen, sie sind Eigentum der Besitzer. Dieser Bauernhof war früher Eigentum eines Freyherrn, der während eines Besuches seines Gutes da gestorben sein soll. Laut alter Überlieferung (Sage) sei er lutherischer Religion gewesen und liege unter dem großen Stein beim Eingang der Kirche in Kronstetten begraben. Sein Hauptsitz solle in Neukirchen unweit Schwandorf gewesen sein. (Die Kunstdenkmäler V, 94 überliefern seinen Namen durch die Steininschrift: „Hie ligt Bernher der Lay vnd Gisela, sein Haußfrau“. Die Schriftltg.)

Der Name Nattermoos mag herrühren von der moosigen, mit Stauden und Sträuchern bewachsenen Gegend, wo viele Nattern zu sehen waren. Nahe bei Nattermoos befindet sich eine schöne Kapelle mit einem Maria-Hilf-Bild.

Niederhof mit Höflarn

Ein Weiler mit 8 Hausfamilen. Er liegt zwischen Nattermoos und Imstetten in einer Vertiefung westlich von Wackersdorf. Der Ort mag den Namen Niederhof seiner tiefliegenden Lage wegen erhalten haben.

Imstetten

Dieser Ort wird auch Sauforst genannt und war früher nur ein Bauernhof. Heute ist dieser in zwei Höfe geteilt. Der Namen Imstetten mag herrühren von Immen(Bienen), welche alldort früher zahlreich wegen der reichlichen Nahrung gehalten worden sind. Sauforst mag herrühren von dem angrenzenden Wald, in welchem sich früher zahlreiche Wildschweine aufgehalten haben.

Irlach

Ein Weiler mit 10 Hausfamilien, eine starke Viertelstunde gegen Westen von Wackersdorf auf einer Anhöhe gelegen. Der Ort hat weder einen Distrikts- noch einen allgemeinen Weg, und daher mag von verirrenden Wagen der ursprüngliche Name Irrlach hergenommen worden sein.

Alberndorf

Alberndorf

Ein Weiler mit 11 Hausfamilien, auf einer Anhöhe westlich eine Viertelstunde von Wackersdorf gelegen. Durch den Ort führt die Vizinalstraße von Schwandorf nach Wackersdorf und nach dem Markt Bruck. Von da hat man eine herrliche Aussicht auf die Umgebung. Woher der Name Albern- hergeleitet sein mag, läßt sich nicht erklären.

Bemerkung: Da das vorgeschriebene Werkchen „Fronau“, nach dem diese Arbeit geformt werden sollte, hier nicht vorzufinden war, so konnte diese nur nach eigenem Gutdünken angefertigt werden.

Wackersdorf, den 27. Jänner 1845

Kaspar Glas, Schullehrer mp.“

 

 

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Kurze Beschreibung der Gemeinde Wackersdorf aus dem Jahre 1845 (leicht gekürzte Fassung)

Von Kaspar Glas

Angaben zum Schulwesen

„Dem Pfarrort Wackersdorf gehören die zwei Filialkirchen in Steinberg an, die ¾ Stunden vom Pfarrort entfernt sind. In Wackersdorf befindet sich der Sitz des Pfarrers und auch die Hauptschule. In Steinberg wird eine Nebenschule unterhalten, welche vor etwa 21 Jahren errichtet worden ist. Der dortige Benefiziat ist laut Auftrag der kgl. Regierung zum Schulhalten verbunden. Die Schüler aus Kronstetten mit den dazugehörigen Ortschaften sind nach Wackersdorf eingeschult. Die Werktagsschülerzahl zu Wackersdorf beläuft sich gegenwärtig auf 80-84 Schüler. Eine ähnliche Zahl weist die Feiertagsschule auf. Es wäre eine Anordnung erwünscht, die Knaben und die Mädchen, gesondert im Wechsel zu unterrichten, um dadurch den sittlichen Zustand zu verbessern.

Geografische und geologische Einordnung

Wackersdorf auf einer historischen Postkarte, gemalenWackersdorf liegt in einer Mulde. Sie grenzt gegen Osten an einen Berg, Fuchsschiebel genannt, gegen Süden öffnet sich eine Ebene, die mit Feldern, Wiesen und Weihern besetzt ist. Waldungen schließen beide Himmelsrichtungen ab. Gegen Westen grenzt Wackersdorf an einen sanften Hügel, die rote Seige genannt, und gegen Norden an eine Anhöhe, die mit dem Fuchsschiebel in Verbindung steht. Durch Wackersdorf führt eine Vizinalstraße von Schwandorf nach Bodenwöhr und nach dem Marktflecken Bruck.

Der Boden ist ziemlich mager, erfordert viel Dünger und verursacht große Arbeit. Der Boden besteht meistens aus blauem Ton, der mit rotem Ton unterspickt ist, die Humusschicht ist sehr dünn und daher ohne Ertrag. Es werden Korn, Hafer, etwas Weizen angebaut, aber Erdäpfel in Abundanz. Gutes Trinkwasser fehlt. Dies mag von den Braunkohlelagern  herrühren, die das Wasser verderben. Durch den Bergbau werden die Quellen abgegraben.

Zum Ursprung des Ortes (der Sage nach...)

Wackersdorf soll nach einer alten Sage den Namen von einem Gutsherrn, nämlich von den Herren von Wacker erhalten haben, wenigstens wollen Erbbriefe vom Jahre 1555 dies dartun. Sohin müsste Wackersdorf ehevor eine Hofmark gewesen sein. Die Herren von Wacker sollen in dem Schlößlein gewohnt haben, dessen Mauerüberreste noch zu sehen sind. Als nun die adelige Herrschaft bis auf zwei Fräulein abgestorben war, hatten diese das Schlößlein mit den Gründen verkauft und den Erlös zum Bau einer Kirche legiert, die zu Ehren des hl. Stephanus, Wendelin und Isidor eingeweiht wurde. Doch fehlen darüber Dokumente.

Das Kirchenwesen seit 1664

Der erste kath. Priester, der nach der Reformation der Bevölkerung als Lehrer zu Hilfe eilte, Schulhaus 1897,Gemeindeverwaltung und Wohnung  war ein Benediktiner aus dem Kloster St. Emmeram Regensburg. Im Jahre 1664 kommt als Provisor Priester Wirdinger vor. Um diese Zeit wurden katholisch gewordenen Orte Fischbach, Reitting, Nerbling der Pfarrei Wackersdorf einverleibt. Vom Jahre 1664-1845 waren in Wackersdorf 20 Pfarrherren tätig. Von diesen starb Andreas Baader 1729 als einziger hier in Wackersdorf. Die Namen dieser Pfarrherren sind überliefert: 1664 Provisor Wirdinger, 1670 Philibert Bachmaier, 1672 Christoph Roth, 1675 Damian Maier, 1681 Georg Haring, 1685 Stephan Schwarz, 1691 Petrus Grien, 1697 Kaspar Saidt, 1703 Andreas Baader, in Wackersdorf +1729, 1723 Martin Spanner, 1738 Michael Bertold, 1748 Anton Schmid, 1762 Joseph Voraus, 1771 Jakob Arnold, 1783 Wolfgang Wolf, 1798 Georg Wolf, 1811 Georg Schmuderer, 1814 Kajetan Steiner, 1826 Kaspar Schlögl, 1827 Johann Baptist Hegner bis gegenwärtig.

Institutionen und Berufe in Alt-Wackersdorf

Der heutige Pfarrhof soll laut Sage das herrschaftliche Schloßbaugut gewesen sein, was durch das Aussehen durchaus möglich ist. Er gleicht einer alten Rüstkammer voller Kammern; nur zwei bewohnbare Zimmer sind vorhanden. Das Schmiedgebäude am unteren Eingang des Dorfes soll das herrschaftliche Brauhaus gewesen sein. Im Jahre 1769 sind in Wackersdorf durch eine Feuersbrunst fünf Zimmer, im Jahre 1772 dreizehn Zimmer in Asche gelegt worden. In Wackersdorf finden sich 23 Hausfamilien , nämlich ein Pfarrherr, ein Schullehrer, ein Schmied, zwei Schneidermeister, drei Leinenweber, ein Schuhmacher, ein Krämer, ein Tafern-Bierwirt, zehn Bauern, ein Leerhäusler und ein Viehhirt.

Bergbau in Alt-Wackersdorf

Nahe bei Wackersdorf liegt auch das kgl. Braunkohlenbergwerk mit einer künstlichen Wasserschöpf-Dampfmaschine. Der Ertrag dieses Bergwerkes ist aber unbedeutend, und man ist allgemein überzeugt, dass die damit verbundenen Kosten den Ertrag weit übersteigen. VorBeginn des Kohlebergbaus 1904 etwa 20 Jahren sind in den 3 bis 4 Klafter tiefen Schächten des Bergwerkes drei Männer durch ausströmende Erddämpfe, welche von den Kohlen herrühren sollen, rettungslos erstickt. Vor etwa acht Jahren zog das große, schwere, eiserne Rad dieser Maschine eine Bergmann in die enge Stadgrube und zerquetschte ihn gänzlich.

Auf dem Platz, wo sich ehemals das herrschaftliche Schlößchen befand, steht die Pfarrkirche, die von einem Gottesacker umgeben ist. Die Kirchhofmauern sollen noch Überreste des Schlosses sein. Das Kirchlein ist ohne Vermögen.

 

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  • Der Fuhrpark der Freiwilligen Feuerwehr Wackersdorf im Jahr 1975
    Der Fuhrpark der Freiwilligen Feuerwehr Wackersdorf im Jahr 1975

 

Die Freiwillige Feuerwehr Wackersdorf

„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“, das war und ist auch heute noch der Leitspruch der Feuerwehr. Ebenso gilt jetzt noch der Hl. St. Florian als Schutzpatron der Wehrleute, obwohl in Frage gestellt wird, ob er jemals gelebt hat. Der Legende nach war er ein römischer Krieger in der österreichischen Provinz Noricum. Er soll einem Märtyrertod erlegen sein. Bis in die jüngste Zeit gedenkt man dem Heiligen Florian am 4. Mai (am Florianstag) mit verschiedenen Feierlichkeiten.

Doch nun zur Wackersdorfer Wehr:

Über das Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr Wackersdorf liegen bis dato noch keine genauen Angaben vor. Zwar ist im Amtsblatt für das „Königliche Bezirks-und Rentamt Burglengenfeld“ vom Jahre 1899 das Gründungsdatum mit 4. August 1875 angegeben. Doch der Schreiber der Wackersdorfer Chronik aus 1974, Joseph Rappel, stellte dazu fest, dass sich im Archiv der Gemeinde Wackersdorf drei Schreiben im Original befänden, die eine frühere Gründung vermuten ließen.

Es kann jedoch dahingestellt bleiben, denn in einer vorhandenen Stammliste der FFW Wackersdorf ist wortwörtlich das Gründungsdatum mit „4. August 1875“ angegeben, sodass von diesem Datum stets ausgegangen wurde.

Bis zu dieser Zeit bestanden in Bayern die „Pflichtfeuerwehren“. Ab dem Zeitpunkt des Bestehens der Freiwilligen Feuerwehren wurden diesen u.a. die Aufgaben durch die „distriktpolizeiliche Feuerlöschordnung“ vom 25. November 1882 des Kgl. Bezirksamtes Burglengenfeld übertragen.

Erst während der Zeit des Nationalsozialismus erfolgte eine Umorganisation der freiwilligen Feuerwehren durch Eingliederung in NS-Gruppierungen. Nach dem Krieg wurde die FFW Wackersdorf dem Oberkommando der U.S. Armee unterstellt, bis schließlich 1946 die Bayerische Staatsregierung ein neues „Gesetz über das Feuerlöschwesen“ erlassen hatte und den Feuerschutz durch freiwillige Feuerwehren regelte.

Rechtsgrundlage dafür war wiederum die Bayerische Verfassung (BV). In Art. 83, Abs. 1 BV wird festgehalten, dass es Pflichtaufgabe jeder Gemeinde sei, den Feuerschutz zu regeln.

Übrigens wurde in den Jahren 1927 und 1928 in Wackersdorf eine Feuerschutzabgabe erhoben und erst 1929 wieder abgeschafft, nachdem fast alle Männer in der Gemeinde der Feuerwehr beigetreten waren.

 

 

In den nachfolgenden Zeilen wird versucht, die mehr als 140-jährige Geschichte der Wackersdorfer Wehr in wesentlichen Punkten aufzuzeigen:

 

9. Juni 1871: Übergabe einer Löschmaschine durch das Bezirksamt Burglengenfeld an Bürgermeister Dotzler der Gemeinde Wackersdorf

 

1871: Bau des „1. Feuerwehrrequisitenhauses“

 

27. August 1873: Vorlage eines Verzeichnisses zur Vornahme und Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr in der Gemeinde Wackersdorf

 

4. August 1875: Gründungsjahr der FFW Wackersdorf lt. Eintragung in „alter Stammliste der FFW“ vom 5. August 1876

 

25. November 1882: Erlass einer distriktpolizeilichen Feuerlöschordnung durch das Kgl. Bezirksamt Burglengenfeld, u.a. Feuerwehrpflicht aller männlichen Bewohner der Gemeinde vom 18. bis 55. Lebensjahr

 

1921: Ab dieser Zeit Führung eines Protokollbuches.

 

10. Februar 1921: Erlass neuer bezirkspolizeilicher Bestimmungen über das Feuerlöschwesen durch den Bezirksausschuss Burglengenfeld

 

12. Juni 1921: Erste Fahnenweihe

 

3. Dezember 1922: Festsetzung von „1000 M als Gehalt“ für den Vereinsdiener

 

Bis 1954: Fehlende Protokollseiten Seite 41 bis 56 im Protokollbuch der FFW Wackersdorf

 

5. März 1936: Runderlass des Reichs- und Preußischen Ministers d. J. v. 5.3.1936: Anerkennung der FFW Wackersdorf als öffentliche Feuerwehr.

 

1938: Erwerb der ersten Löschspritze von der Firma Robel & Co., München

 

1941: Ergänzung der Feuerwehren durch Hitlerjugend und Notdienstverpflichtete

 

1945: Nach dem Zusammenbruch Deutschlands: Auflösung aller Vereine durch die amerikanische Besatzungsmacht.

 

13. Juli 1945: Erlass von Vorschriften für den Fall eines Feuerausbruches durch das Oberkommando des 915. Feldartillerie Bataillons APO90 U.S. Army

 

1946: Erlass eines Gesetzes über das Feuerlöschwesens durch die Bayerische Staatsregierung

 

Juni/Juli 1956: 80-jähriges Gründungsfest und Fahnenweihe

 

1956: Anschaffung eines Tragkraftspritzenfahrzeug TS 8/8 VW-Bus

 

1967: Erste Frauengruppe im Landkreis Burglengenfeld und zweite in Bayern

 

1969: Anschaffung eines Tanklöschfahrzeuges TLF 16

 

1969: Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses an der Ringstraße/Marktplatz und Einweihung am 23.01.1979 durch Dekan Franz Westenthaner

 

1973: Erstmals Löschgruppe mit „goldenem Leistungsabzeichen“

 

1974: Umbau eines gebrauchten VW Käfers zu einem Funkkommandowagen Fukow

 

27. - 29.6.1975: 100-jähriges Gründungsfest mit Weihe einer neuen Fahne

 

1976: Anschaffung eines Rüstkraftwagens RW 2

 

1978: Erhalt einer Rettungsschere

 

1980: Übernahme der Patenschaft beim Jubiläum der FFW Steinberg a. S.

 

1981: Neues TS 8/8 als Ersatz für das Fahrzeug aus dem Jahre 1956

 

1982: Florianstag für den Großlandkreis Schwandorf in Wackersdorf

 

1982: Nach Schließung der Bay. Braunkohlen Ind. AG (BBI AG): Löschfahrzeug der BBI Werksfeuerwehr für die Wackersdorfer Wehr

 

1983: Anschaffung eines neuen Funkkommandowagens Opel Ascona

 

1985: 110-jähriges Gründungsfest der Wehr

 

1988: Spatenstich für ein neues Gerätehaus

 

13. Juli 1990: Einweihung des neuen Gerätehauses

 

1990: Erhalt eines gebrauchten Tanklöschfahrzeuges von der Deutschen Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen

 

1994: Kauf eines neuen Kommandowagens BMW 318i

 

1995: Beitritt zum wiedergegründeten Bayerischen Feuerwehrverband

 

1995: 120-jähriges Gründungsfest –Feier im kleinen Rahmen

 

1996: Einweihung des neuen Löschfahrzeuges LF 16/12

 

27. Mai 1996: Tod des langjährigen Vorsitzenden und Altbürgermeisters Josef Ebner

 

1997: Gründung einer Musikschule unter der Trägerschaft der Feuerwehren Wackersdorf, Alberndorf, Rauberweiherhaus und Steinberg a. S.

 

1998: Übernahme der Patenschaft beim 100-jährigen Gründungsfest der FFW Rauberweiherhaus

 

2000: Auslieferung des Beleuchtungsfahrzeuges MAN/Polyma

 

2000: Feier des 125-jährigen Bestehens der FFW

 

6. Dezember 2002: Indienststellung des neuen LF 16/12 mit moderner CAFS-Schaumanlage

 

2003: Verkauf des 26 Jahre alten RW 2 an die FFW Teublitz

 

Mai 2003: Tod des langjährigen Kommandanten Josef Schammer

 

Juli 2008: Tod des langjährigen Kommandanten  und Kreisbrandmeisters Karl Ebner

 

Oktober 2010: Beschaffung des Mehrzweckfahrzeuges MZF der Marke VW Crafter

 

Juni 2012: Ersatzbeschaffung Fukow BMW X3

 

August2015: Komplette Neuausstattung der Wehr mit den neuesten Schutzanzügen sowie Auslieferung von zwei Rettungssätzen (Spreitzer und Schere); Segnung durch Pater Georg

 

März 2018: Mitgliederzahl liegt bei 765 Personen, davon 670 männliche und 95 weibliche.

Vereinsführung: 1.Vorsitzender Florian Krettner, 2. Vors. Martin Gleixner.

Derzeitige Kommandanten: 1. Kdt. Josef Kehl und 2. Kdt. Dieter Schick

Mitgliedsbeitrag: 10 €/Jahr

 

 

 

Nachweise:

  • Wackersdorf, Das Werden einer modernen Industriegemeinde, Rappel Josef, 1974.
  • Festschrift zum 100-jährigen Gründungsjubiläum, Freiwillige Feuerwehr Wackersdorf, 1975.
  • Festschrift 125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Wackersdorf, 1875-2000.
  • www.feuerwehr-wackersdorf.bayern.
  • Das große Buch der Feuerwehr, Erpf Hans, 1975.
  • BayRS 215-3-1-I.
  • 2017, S. 278.

 

März 2018, Josef Hottner

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Vom hiesigen Gemeinderat beschlossen führt Wackersdorf im Einvernehmen mit der Regierung der Oberpfalz seit 1973 das heutige Wappen. Als Beleg hierfür gilt ein Schreiben der Regierung der Oberpfalz, das auf den 13.11.1973 datiert ist (vgl. Onlineangebot: Haus der bayerischen Geschichte).

Die Beschreibung des Wappens (Bläsonierung) dürfte, wie folgt, lauten: In Blau auf goldenem Boden steht ein goldener Laubbaum. Sein Stamm wird von schräg gekreuzten Schlägel und Eisen überdeckt, die silberfarben sind. Heraldisch zeigt das Eisen dabei nach links, der Schlägel hingegen nach rechts.

Wappen der Gemeinde Wackersdorf
Wappen der Gemeinde Wackersdorf

Welche Botschaft sich hinter dem Wappen verbirgt, ist schnell erklärt. „Am 5. Februar 1906 schlug (…) die Geburtsstunde der Bayerischen Braunkohlen Industrie [BBI AG]“ (BBI AG, 1906-1956, S. 19). Der damit verbundene großangelegte Abbau der Kohle bewirkte für die Region, und hier speziell für die Bevölkerung von „Alt-Wackersdorf“, eine einschneidende Veränderung des bisherigen Lebens. Die BBI brachte Arbeit und Kapital in den lokalen Raum. Ein Großteil der Einwohner von „Alt-Wackersdorf“ verdiente folglich dort seinen Lohn. Wackersdorf war besonders in jener Zeit einem fortschreitenden Umbruch im wirtschaftlichen und sozialen Gefüge unterworfen. Schlägel und Eisen stehen also für die montanwirtschaftliche Prägung des Ortes. Letztendlich entschied man sich sogar für die Umsiedlung des Ortes. Das Dorf selbst stellte neben anderen wichtigen Aspekten den Hauptgrund dar. Es stand über mächtigen Kohleflözen. Für die geplante „Kapazitätsverdoppelung im Dampfkraftwerk Schwandorf“ (Siegert Toni, 31993, S. 184) musste auch die Förderung der Kohle um ein erhebliches Maß gesteigert werden. Da man sich über die Größe des dringend benötigten Kohlereservoirs über „Alt-Wackersdorf“ bewusst war, griff man die in „1917“ (Rappel, J., 1974, S. 45) angestellten Überlegungen wieder auf, das Dorf umzusiedeln. Das war keine leichte Entscheidung. Aber ein „Kohlenvorrat von 17 Millionen Tonnen aus eine[r] 20m“ (Heimatkundlicher Arbeitskreis Steinberg-Wackersdorf e.V., 2001, S. 57) dicken Schicht, förmlich also eine Arbeitsplatzgarantie für weitere Jahre, konnte man nicht von der Hand weisen. Außerdem benötigte man gerade in der Nachkriegszeit, in welcher der Energieverbrauch durch den Wiederaufbau und die allmählich sich wieder erholende Wirtschaft stetig stieg, „heimische Energiere[ss]ourcen“ (Siegert, Toni, 31993, S. 184).

Doch wofür steht nun der goldene Laubbaum. „200 Millionen Tonnen Braunkohleförderung“ (Festschrift zum 60-jährigen Jubiläum des Knappenvereins, S. 35) hatten eine lange gewachsene Vegetation zerstört und eine zerfurchte Mondlandschaft hinterlassen. Wälder, Wiesen und Felder mussten den anrückenden Baggern weichen. Man spricht von „830 Hektar“ (Festschrift zum 60-jährigen Jubiläum des Knappenvereins, S. 35)  Land, welches vor dem Abbau Kohle führte, das nun wieder rekultiviert (wiederhergestellt) werden musste. In Wackersdorf wurde in folgenden Bereichen rekultiviert: Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Teichwirtschaft; auch Biotopflächen wurden angelegt.

 

Quellen:

Bayerische Braunkohlen Industrie AG (Hg.): Bayerische Braunkohlen-Industrie AG 1906-1956, Schwandorf o. J.

Heimatkundlicher Arbeitskreis Wackersdorf-Steinberg e.V. (Hg.): Museumslehrpfad Wackersdorf-Steinberg. Begleitheft zum Museumslehrpfad zwischem dem Heimat- und Braunkohlemuseum Steinberg und dem Industriemuseum Wackersdorf. Heimatkundliche Schriftreihe Nr. 8, Wackersdorf/Steinberg 2001.

Knappenverein Wackersdorf, (Hg.): 60-jähriges Jubiläum des Knappenvereins Wackersdorf, Schwandorf o. J.

Rappel, Josef: Wackersdorf. Beiträge zur Geschichte der Gemeinde und Pfarrei Wackersdorf, Wackersdorf 1974.

Siegert, Toni: Landkreis Schwandorf. Das große Heimatbuch, Regensburg 31993.

 

Internetquellen:

https://www.hdbg.eu/gemeinden/web/index.php/detail?rschl=9376175, Stand: 4.02.2018.

 

 

 

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